Alle Jahre wieder: Adventskalender 2013

Alle Jahre wieder stimmen sich die Menschen auf Weihnachten, das Fest der Liebe. ein. Die Adventszeit, die Zeit der Ankunft, bereitet seit gut 2.000 Jahren auf die Geburt Christi vor. Im Jahre 2013 ist davon allerdings nicht mehr viel zu spüren. Weihnachten ist längst ein Konsumfest erster Güte geworden. Der Adventskalender in all seinen Formen und Preisklassen gehört natürlich dazu.

Ein Kalender für die Adventszeit

Der Adventskalender zählt die Zeit bis WeihnachtenDabei hat alles mal ganz bescheiden angefangen. Die ersten Adventskalender stammen bereits aus dem 19. Jahrhundert. Den ersten selbst gebastelten Adventskalender vermutet man um 1850. Adventskalender dienen dazu, die Zeit bis Weihnachten zu dokumentieren. Sie sind Teil des religiösen Brauchtums und zählen deshalb ursprünglich vom 1. Advent bis zum 4. Advent, dem Sonntag vor Weihnachten. Genau so wie der Adventskranz, dessen 4 Kerzen jeweils für einen Adventssonntag stehen. Inzwischen hat sich der Adventskalender aber immer mehr vom religiösen Ursprung entfernt und deckt meistens den Zeitraum vom 1. bis zum 24. Dezember ab. Übereifrige Varianten schließen den 1. und den 2. Weihnachtsfeiertag mit ein, extreme Fälle reichen sogar bis Sylvester.

Ganz einfache und sehr alte Formen des Adventskalenders bestanden aus schlichten Kreidestrichen, Strohhalmen oder Kerzen. Auch die Adventskerze oder die Weihnachtsuhr gehören zu den Vorläufern. Der Adventskalender ist übrigens eine heimische Erfindung, sie erfreute sich im deutschsprachigen Raum schon immer großer Beliebtheit, und wurde erst in den 1950ern in die USA und schließlich in die ganze Welt exportiert. Bereits 1902 erschien der erste gedruckte Adventskalender für Kinder in Hamburg. Bald entstanden die typischen Adventskalender, bei denen Tag für Tag ein Türchen geöffnet werden durfte, hinter denen sich Bilder mit religiösen Motiven befanden. Auch Bastelvorlagen von Adventskalendern mit Bildern zum Aufkleben und andere Varianten kamen zu dieser Zeit in den Handel.

Süßes hinter den Türchen

In den 1930ern kam ein Münchener Pastorenehepaar auf die Idee, Süßigkeiten in den Adventskalender zu packen. Zunächst Gebäckstücke, dann Schokolade, wie sie noch heute so beliebt ist. Damals hatten Adventskalender noch einen stark religiösen, insbesondere protestantischen Touch. Sie waren mit Bibel- und Krippenmotiven versehen und dienten dem Zweck, die Zeit bis Weihnachten auf besinnliche Weise zu verkürzen. In der Nazizeit wichen die christlichen Motive germanischen Mythen.

2013 sind Adventskalender in erster Linie große Schokoladen-Packungen. Die Motive sind zumeist winterlich und oft sehr kindlich. Die Bezeichnung Weihnachtskalender wäre eigentlich passender und setzt sich vielleicht irgendwann einmal durch, mit der Adventszeit im religiösen Sinne haben die Produkte nichts mehr gemein. Krippenszenen mit Maria und Josef, selbst der Nikolaus, wurden vom generischen Weihnachtsmann im rotweißen Coca Cola Outfit verdrängt. Geblieben ist ein Kalender mit 24 Türchen und täglichen Überraschungen. Oft aus Schokolade, aber es dürfen auch andere Süßigkeiten und Geschenke sein. Viele Webshops bieten Online Adventskalender mit täglichen Sonderangeboten an. Adventskalender APPs sorgen für tägliche Unterhaltung auf dem Handy.

Es muss nicht immer Schokolade sein

Adventskalender müssen nicht immer mit Schokolade gefüllt seinEs gibt erotische Adventskalender mit scharfen Bildern oder mit Sex-Spielzeug. "Sexy X-Mas Girls – Der Erotische Adventskalender für Männer" ist eine originelle Variante in DVD-Form. Beliebt sind 2013 Foto Adventskalender, die man mit privaten Bildern bestücken kann. Selbstmachen und Personalisieren sind neue Trends, die sich bei vielen Produkten und Dienstleistungen durchsetzen. Statt einen Adventskalender von der Stange zu kaufen, füllen viele den Adventskalender selbst mit kleinen Geschenken. Auch wenn man sich einen Adventskalender natürlich für den Eigenbedarf kaufen kann, werden sie hauptsächlich verschenkt. Oft an den Partner und an Kinder sowieso. An ausgefallenen Geschenkideen mangelt es nicht, inzwischen erfindet eine ganze Industrie immer neue Varianten. Der Bier-Adventskalender für Männer ist genau so zu haben wie verschiedene MP3-Adventskalender mit Kurzgeschichten. Ähnlich wie das Weihnachtsfest selbst sind auch Adventskalender längst kommerziell geworden.

Rückbesinnung auf Kunst und Kultur

Löbliche Ausnahmen bilden kulturelle und künstlerische Vertreter. In Leipzig wird jedes Jahr der mit 857 qm größte freistehende Adventskalender der Welt aufgebaut. In einigen Städten kommt der lebendige Adventskalender in Mode. An jedem Tag lädt ein anderer Gastgeber zum beschaulichen Beisammensein ein. Dann werden Plätzchen gegessen, Glühwein getrunken und Weihnachtlieder gesungen. Mit der Aktion, die viele Nachahmer findet, soll die Adventszeit ihren beschaulichen, besinnlichen Charakter zurückgewinnen, den die kommerziellen Adventskalender 2013 längst nicht mehr abbilden.

Zum Glück gibt es auch Adventskalender für den guten Zweck. Ein Beispiel von vielen ist der Lions Club Adventskalender, dessen Erlöse ausgewählten sozialen Einrichtungen zugute kommen. Auf diese Weise kann Menschen mit Depressionen oder mit Behinderungen geholfen werden. Der Kauf ähnelt damit einer Spende. Man kann mit dem Erwerb Gutes tun, den Weihnachtsgedanken lebendig halten, die Welt ein Stückchen verbessern und sich selbst gut fühlen. Ein bisschen weniger Hedonismus und ein bisschen mehr soziale Verantwortung kann schließlich nicht schaden.