Die zarte Versuchung: Adventskalender
mit Schokolade

Wer an Adventskalender denkt, hat zumeist einen aus Schokolade vor Augen. Schon Monate, bevor die Adventszeit überhaupt losgeht, liegen sie in den Supermärkten bereit und warten auf schokoverliebte Abnehmer. Es gibt sie in allen Größen und Formen. Die Standardausführung ist eine quadratische Box mit 24 Türchen, hinter denen sich 24 Stück Schokolade verbergen. Oft fällt der Happen für Heilig Abend etwas großzügiger aus, manchmal bekommen der 1. und 2. Weihnachtsfeiertag ebenfalls ein Türchen. In ganz seltenen Fällen zählt der Adventskalender bis Sylvester, was zwar keinen Sinn ergibt, dafür aber umso länger schmeckt. Vom ganzjährigen Adventskalender mit Schokolade wurden wir bisher zum Glück verschont.

24 Stücke Schokolade

Adventskalender mit Schokolade gibt es in allen Formen und GrößenDie Schokoladenstücke kommen in der Form von Weihnachtsmännern, Sternen, Tannenbäumen, Schneemännern oder Geschenken daher. Es können aber auch Autos, Quadrate oder Zahlen sein. Alles, was man in eine Form gießen kann, ist möglich. Erotische Adventskalender reizen mit Schoko-Brüsten und Schoko-Penissen, was alles andere als politisch korrekt ist, bisher aber noch nicht im großen Stil kritisiert wurde. Vermutlich liegt es daran, dass man diese Produkte nicht im Supermarkt um die Ecke findet.

Adventskalender erfinden sich jedes Jahr aufs Neue. Neben der quadratischen Box sind auch andere Formen beliebt, insbesondere Stiefel und Weihnachtsbäume. Vollmilch ist mit Abstand die häufigste Geschmacksrichtung, aber auch Bitterschokolade, Schokovariationen, Schokoriegel und ein unerschöpfliches Sortiment an Pralinen findet begeisterte Abnehmer. In der minimalistischsten Variante besteht der Adventskalender aus einer Schokoladentafeln mit beschrifteten Stücken zum Abbrechen oder Abbeißen. Auch Sets mit 24 Mini-Schokoladentafeln, jede mit einem besinnlichen Adventsspruch versehen (Glückskekse lassen schön grüßen), werden angeboten.

Hauptsache gut verpackt

Adventskalender aus Schokolade unterscheiden sich vor allem durch ihr Cover. Hauptsächlich findet man Weihnachtliche Motive. Winterliche Landschaften im Schnee, verschneite Ortschaften, glitzernde Weihnachtsbäume und natürlich der Weihnachtsmann samt Schlitten und Rehntieren sind gerne gesehene Motive. Mal ist die Darstellung kindlich, mal kitschig. Ganz selten christlich, schließlich handelt es sich um ein kommerzielles Genussmittel für die Allgemeinheit. Religion ist ein heikles Thema, das Lebensmittelhersteller gerne großräumig umschiffen. Die Aachener Chocoladefabriken Lindt & Sprüngli GmbH war z.B. wegen eines orientalisch anmutenden Adventskalenders in die Kritik geraten, der dem politisch korrekten Lager nicht sonderlich geschmeckt hatte.

Auch bei erotischen Adventskalendern halten sich die Hersteller lieber so bedeckt, wie die verführerischen Weihnachtsengel in knapper Unterwäsche auf dem Cover. Ganz nackte Tatsachen gelten offenbar als zu anstößig. Außerdem ist weniger bekanntlich mehr, zumindest gewinnt man bei den winzigen Schokoladenstücken diesen Eindruck. Wer keine Lust auf ein vorgegebenes Motiv hat, kann auch ein eigenes Bild auf den Schokoladen-Adventskalender drucken lassen. Personalisiere Geschenke liegen seit einigen Jahren schwer im Trend, das gilt auch für das Weihnachtsgeschäft.

Satter Umsatz mit Schokolade

Adventskalender mit Schokolade machen 60 Mio. Euro UmsatzNicht zuletzt Dank immer neue Varianten sind Adventskalender aus Schokolade ein Renner. Im Jahr geben die Deutschen dafür knapp 60 Mio. Euro aus. Tendenz steigend. Trotzdem liegen Schoko-Adventskalender deutlich hinter dem unangefochtenen Champion der Weihnachtssüßigkeiten, dem Weihnachtsmann aus Schokolade. Die süßen Herren mit den Rauschebärten erwirtschaften jährlich knapp 100 Euro Umsatz. Sie bieten den großen Vorteil, dass ausgehungerte Konsumenten sie auf einmal aufessen können, wenn ihnen danach ist, und sie sich nicht über die gesamte Adventszeit einteilen müssen. Für den großen Hunger hält der Handel zwar auch XXL-Adventskalender bereit, die satte 30 Euro kosten. Den einfachen Adventskalender aus Schokolade gibt es aber schon für wenig mehr als einen Euro. Im Schnitt geht er für etwa 10 Euro über die Ladentheke. Da er nach dem 1. Dezember kaum noch gekauft wird, hält sich der Umsatz letztlich in Grenzen. Marzipan und essbarer Baumbehang verweisen den Adventskalender aus Schokolade eindeutig auf die hinteren Ränge.

Adventskalender Bleifrei

Trotzdem war in der Weihnachtssaison 2012 das Geschrei groß, als die Stiftung Warentest in Schokoladen Adventskalendern Rückstände von Mineralöl nachweisen konnte und vor einem erhöhten Krebsrisiko warnte. Bei 9 von 24 Schokoladen Adventskalendern rieten die Produkttester ausdrücklich vor dem Kauf ab. Einige Hersteller zogen ihre Produkte zurück. Die Süßwarenindustrie sprach von einem Millionenschaden und übertriebener Aufregung und erwog eine Schadenersatzklage, die sie aber nie einreichte. Die Rückstände stammten offenbar nicht von der Schokolade selbst, sonder von der Kartonverpackung aus Recyclingpapier. Durch die lange Lagerzeit der Adventskalender in den Geschäften konnten die Schadstoffe in die Schokolade gelangen.

Dass eine Packung Süßes übermäßig gesund ist, erwartet aber sowieso niemand ernsthaft. Allen Unkenrufen zum Trotz ist und bleibt der Adventskalender aus Schokolade ein Klassiker unter den Weihnachtssüßigkeiten. Kinder lieben ihn, Erwachsene verschenken ihn gerne und bekommen ihn gerne geschenkt. Er hängt in Kinderzimmern und in Büros, um den Tag mit einem leckeren Stückchen Schokolade zu versüßen.